Rückblick POLYPROBLEM Stakeholder-Dialog 2023

Der Plastik-Reset geht nur gemeinsam

Vom blutjungen Startup bis zum internationalen Großkonzern. Von der Umwelt-NGO bis zum Bundesministerium. Die ganze Bandbreite der Wirtschaft, der Politik und der Zivilgesellschaft zu einem Tag des gemeinsamen Nachdenkens, des Tüftelns, des Austauschs und des Teilens von Ideen zusammenzubringen – das ist das Ziel des POLYPROBLEM-Stakeholder-Dialogs. Der Plan ging auch bei der dritten Auflage 2023 auf.

 

Vielen Dank an Stifter TV

ETWAS ANDERS… ODER KOMPLETT NEU?

…lautete der Titel der Veranstaltung. Dahinter verbarg sich die Frage, ob die kontinuierliche Entwicklung nachhaltigerer Produkte und Dienstleistungen in bestehenden Systemen ausreicht, oder ob die Transformation hin zu einem nachhaltigeren Wirtschaften mit Kunststoff mehr Disruption braucht. Anders gefragt: Wie radikal kann und muss die Ressourcenwende verlaufen?

Dass es erfolgreiche Beispiele für suffiziente Geschäftsmodelle gibt, machte Henning Wilts, Kreislaufwirtschaftsexperte des Wuppertal Instituts und Professor an der Hafencity Universität in Hamburg, deutlich. Suffizienz – also das Wirtschaften mit begrenzten Ressourcen ­– bezeichnete Wilts als das „schwerere, aber resilientere Geschäftsmodell“. Schwerer, weil es sich schlecht für schnelles Marktwachstum eigne. Resilienter, weil eine engere Bindung zur Nachfrageseite entstehe. Gerade in Krisenzeiten zahle diese veränderte Perspektive auf Wachstum aus.

In der Bewältigung der Klima- oder auch der Plastikmüll-Krise sei eine Hinwendung zu einem neuen Wachstumsparadigma in der Wirtschaft unerlässlich. „Technische Lösungen allein werden uns nicht retten“, machte der Wissenschaftler deutlich.

Über die Chancen auf grundlegende Veränderungen im Wirtschaften mit Kunststoff, aber auch über die Grenzen in der geschäftlichen Praxis diskutierten Pia Schnück (REWE), Tom Ohlendorf (WWF), Christine Braun (Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft), Ansgar Schonlau (Maag GmbH) und der Journalist Benedict Wermter.

Am Nachmittag gab es dann Gelegenheit zum gemeinsamen Experimentieren. Die Circular Business Labs, konzipiert und moderiert von der Kunststoff-Ideenschmiede HolyPoly, gaben den Teilnehmenden Raum zur Lösung konkreter geschäftlicher Herausforderungen durch das gemeinsame Kreieren disruptiver Geschäftsmodelle. Was macht ein Hersteller von Einwegspielzeug aus Kunststoff, wenn sein jahrzehntelang geübtes Wertschöpfungsmodell aufgrund eines gesteigerten Nachhaltigkeitsbewusstseins und zunehmender Regulierungen nicht mehr funktioniert?

Die Arbeitsgruppen fanden Antworten – unter anderem in einer radikalen Abkehr vom kurzlebigen (Einweg-)Produkt und eigenen Take-Back-Systemen.

Nicht nur in den einzelnen Sessions, sondern auch in der Paneldiskussion zuvor wurde deutlich: Der Systemwandel ist bei aller individuellen Kreativität und Leistungsfähigkeit von einzelnen Akteuren allein kaum zu bewältigen. Auch geschäftliche Transformationsprozesse brauchen ein neues Kooperationsverständnis aller Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Zeiten des genialen Erfinders, der eine Branche im Alleingang auf den Kopf stellte, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Auf dem Weg in eine Kreislaufwirtschaft, bei der ein Produkt vom Design bis zum Recycling viele Stationen durchläuft, gilt das in besonderem Maß.

Und das war dann auch erneut das entscheidende Element beim POLYPROBLEM Stakeholder-Dialog im inspirierenden Ambiente des Bauwerks in Köln: Der vertrauensvolle, offene und kollegiale Austausch im überschaubaren Expertenkreis.

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© Jan Knoff

Die beim Stakeholder-Dialog 2023 gezeigten Präsentationen haben wir nachstehend in einer Slideshow zusammengefasst.

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