Ökobilanzen im Vergleich

Die umweltfreundlichste Alternative zu Einwegverpackungen, die rund 52 Prozent des Plastikabfalls ausmachen, bieten Studien zufolge – wie kann es anders sein – Mehrwegverpackungen. Allerdings ist eine bessere Ökobilanz von Mehrwegalternativen keine Selbstverständlichkeit. Sie hängt von verschiedenen Faktoren entlang des Nutzungszyklus ab. Zu diesen Faktoren zählen unter anderem der Ressourceneinsatz für die Reinigung, das Verpackungsgewicht, das eingesetzte Rezyklat, der Verpackungsinhalt, Transportwege und -mittel sowie die Anzahl der Wiederverwendungszyklen.

Entsprechend den Ergebnissen einer Studie von Reloop und Zero Waste Europe unterscheidet sich die Menge der freigesetzten Treibhausgasemissionen von Einwegbeziehungsweise Mehrwegverpackungen hauptsächlich durch die jeweilige Lebenszyklusphase. (1) So ist der CO2-Ausstoß bei Einwegverpackungen in der Regel in der Produktionsphase am höchsten, bei Mehrwegverpackungen hingegen in der Nutzungsphase aufgrund der Transportwege und wiederkehrenden Reinigung.

In ihrer Studie verweisen Reloop und Zero Waste Europe auch auf eine Analyse zu den Umweltauswirkungen (Treibhausgasemissionen und Umweltverschmutzungspotenzial) von insgesamt fünf verschiedenen Beuteln. Untersucht wurden hierbei drei Einwegbeutel aus HDPE, Papier und biologisch abbaubarem Material sowie zwei wiederverwendbare Beutel zum einen aus Polyethylen (LDPE) und Polypropylen (PP). Im Ergebnis schnitt der LDPE-Beutel mit Blick auf den geringsten Treibhausgasausstoß in zehn Verwendungszyklen am besten ab, jedoch am zweitschlechtesten vor der HDPE-Tüte mit Blick auf die Gefahr der Vermüllung.

Papiertüten, gefolgt von PP-Tüten hingegen verursachen im Vergleich bei 20 Verwendungszyklen viel mehr Treibhausgase, weisen aber mit der PP-Tüte an der Spitze ein viel geringeres Littering-Potenzial auf.

Eine weitere Studie – durchgeführt von der britischen Umweltbehörde – hat den Einfluss verschiedener Papier- und wiederverwendbaren Tragetaschen auf die Erderwärmung ermittelt und hierfür CO2-Äquivalente zur Grundlage genommen. Der Analyse zufolge müsste eine Papiertüte dreimal, eine wiederverwendbare Tüte aus Polypropylen elfmal und eine wiederverwendbare Baumwolltasche mindestens 131-mal wiederverwendet werden, um das gleiche Treibhausgaspotenzial wie eine einmalig genutzte herkömmliche Plastiktüte aufzuweisen. (2)

Weitere Fallstudien haben gezeigt, dass im Vergleich zwischen wiederverwendbaren Kunststoffkisten und Einwegkartons der Break-even-Punkt, das heißt der Punkt, ab dem eine einzige zusätzliche Verwendung das wiederverwendbare Produkt umweltfreundlich macht, zwischen fünf und fünfzehn Verwendungen liegt.(3)

Weitere wichtige Erkenntnisse liefert eine Untersuchung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zu Flaschen und ihrer Ökobilanz. Gegenstand der Betrachtung waren Einweg-Plastikflaschen und Alternativen, wie Einweg-Glasflaschen sowie wiederverwendbare Edelstahl- und Aluminiumflaschen. Im Ergebnis schnitt die Einweg-Glasflasche bei den meisten der in der Analyse berücksichtigten Umweltkategorien am schlechtesten ab. Würden Glasflaschen jedoch mindestens dreimal wiederverwendet werden, wären diese unter Umweltgesichtspunkten mit Einweg-plastikflaschen auf gleichem Niveau – selbst dann, wenn die Faktoren, wie Transport, Entpacken, Reinigung und Qualitätskontrolle bei jedem Wiederverwendungszyklus berücksichtigt würden. Bei einer mindestens dreimaligen Verwendung verursachen Stahl und Aluminiumflaschen im Vergleich zu Einweg-Kunststoffflaschen weniger CO2-Emissionen. (4)

Auszug aus dem POLYPROBLEM-Themenreport Strafsache Strohhalm 

Fußnoten 

(1) Reloop & Zero Waste Europe (2020)

(2) Taylor (2018)

(3) Reloop & Zero Waste Europe (2020)

(4) UNEP (2020)

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